Schuldenreport 2017: 116 Länder kritisch verschuldet, Abwärtstrend beschleunigt sich

G20-Finanzminister müssen drohenden Schuldenkrisen entgegenwirken

schuldenreportBaden-Baden. Während die G20-Finanzminister tagen, stellen das deutsche Entschuldungsbündnis erlassjahr.de und das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR in Baden-Baden den Schuldenreport 2017 vor. Dieser zeigt: Immer mehr Länder im Globalen Süden sind kritisch verschuldet. Darunter Brasilien, Barbados und Mosambik.

Jürgen Kaiser, Politischer Koordinator von erlassjahr.de: „Der anhaltende Abwärtstrend ist besorgniserregend:116 Länder im Globalen Süden sind kritisch verschuldet. Das sind 33 mehr als noch vor zwei Jahren. In 69 dieser Länder hat sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr weiter verschlechtert, in 48 Ländern hat sich seit 2011 kein einziger der untersuchten Indikatoren verbessert.“

„Weit oben auf der Liste der kritisch verschuldeten Länder steht Barbados, das wie viele kleine Insel-Entwicklungsstaaten eine wenig diversifizierte Wirtschaft hat und von den Auswirkungen des Klimawandels bedroht ist“, so Kaiser. „Kritisch ist die Situation auch in Staaten wie Mosambik und Ghana, die zum Aufbau ihrer Infrastruktur für den Rohstoffexport Kredite aufgenommen haben. Sie laufen durch die sinkenden Rohstoffpreise Gefahr, diese Kredite nicht zurückzahlen zu können.“ Von Überschuldung betroffen sind im Globalen Süden nicht nur vergleichsweise kleine und arme Staaten, sondern auch wirtschaftliche Schwergewichte wie Brasilien, mittelgroße Staaten wie Südafrika und Exporteure strategischer Rohstoffe wie Venezuela.

Faire Insolvenzverfahren gefordert

„Die Ergebnisse des Schuldenreports 2017 zeigen deutlich, dass immer mehr Länder auf dem Weg in eine neue Schuldenkrise sind“, warnt Klaus Schilder, MISEREOR-Experte für Entwicklungsfinanzierung. „Sie müssen die Möglichkeit bekommen, ihre Schulden durch ein faires Insolvenzverfahren auf ein tragfähiges Maß zu senken. Sonst besteht die Gefahr, dass sie nicht in der Lage sind, Armut zu überwinden, Menschenrechte zu verwirklichen und die globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zu erreichen.“

„Eine drückende Schuldenlast und die damit verbundene Sparpolitik der öffentlichen Haushalte schränken politische Handlungsspielräume ein“, warnt Schilder. „Das führt letztlich zu weniger Beschäftigung, zu wachsenden sozialen Spannungen und hemmt nachhaltige Entwicklung.“

Entwicklung braucht Entschuldung

Mit der Kampagne „Debt20: Entwicklung braucht Entschuldung – jetzt“ fordert erlassjahr.de die G20 deshalb auf, die wachsende Gefahr einer neuen Schuldenkrise endlich ernst zu nehmen und ihr durch entschiedenes politisches Handeln zu begegnen. „Die G20 haben die Chance, für überschuldete Länder umfassende, internationale Entschuldungsverfahren auf den Weg zu bringen“, so Schilder. „Das wäre ein wichtiger Schritt, denn nur international verbindliche Regeln können Verlässlichkeit bei der Bewältigung von Schuldenkrisen schaffen.“ Die Debt20-Kampagne wird von MISEREOR und 188 weiteren Organisationen unterstützt, darunter Hilfswerke, Landeskirchen und Diözesen, Weltläden und Eine-Welt-Initiativen.

Der ecuadorianische Ökonom Alberto Acosta ist Mitglied der Debt20-Gruppe, die Menschen aus 20 kritisch verschuldeten Ländern des Globalen Südens repräsentiert. „Die Entscheidungen der G20 beeinflussen auch die Menschen und die Umwelt in Ländern, die nicht Teil des Clubs der reichsten Nationen der Welt sind und kein Mitentscheidungsrecht haben. Deshalb müssen auch die Stimmen aus diesen Ländern gehört werden“, so Acosta. Er mahnt, aus den Krisen der Vergangenheit zu lernen: „Das Schuldenproblem hat globalen Charakter. Es erfordert gemeinsames politisches Handeln von Schuldnern und Gläubigern.“

Der jährliche Schuldenreport von erlassjahr.de und MISEREOR bietet eine Übersicht über die Situation verschuldeter Entwicklungs- und Schwellenländer und bewertet die Rolle Deutschlands als Gläubiger gegenüber diesen Ländern. Der Report 2017 formuliert zudem Forderungen an die G20 zum Thema Staatsverschuldung. Analysiert werden auch aktuelle Entwicklungen: Welche Auswirkungen haben die aktuellen Krisen in Mosambik und Venezuela? Wie ist die Rolle Indiens zu bewerten, das Geberland und Entwicklungshilfeempfänger zugleich ist? Inwieweit erfüllen Agrarfinanzierungen durch Investmentfonds in Subsahara-Afrika tatsächlich das Versprechen, Armut zu reduzieren?

Den aktuellen Schuldenreport erhalten Sie zum Download unter www.misereor.de/schuldenreport

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4 Gedanken zu “Schuldenreport 2017: 116 Länder kritisch verschuldet, Abwärtstrend beschleunigt sich

  1. Man hat die Länder in den Mist reingeritten, da man alles am grünen tisch so toll geplant hat. Jenseits der realität. Und nun versucht man sich selbst zu retten, und reißt weitere in das loch, bloß nicht zugeben das man versagt hat, und erst recht nicht die konsequenzen dabei übernhmen.
    Es erinnert mich viel dabei an den film 2012 , man will den luxus retten, und vergisst das der luxus nur solange existiert wie genügend deppen das Fundament dafür stellen.

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  2. Grundsätzlich stellt sich doch die Frage:

    „Wie wurden die aufgenommenen Kredite eingesetzt?“ <<<
    .
    In vielen Fällen wurde das Geld von politischen Eliten unterschlagen und verprasst.
    .
    Wenn das aufgenommene Kapital zu ertragbringenden Projekten verwendet wird, dann dürfte doch die Bedienung der Schuld (Zinsen und Rückzahlung) kaum Schwierigkeiten bereiten.

    Wenn aber 116 Länder „kritisch verschuldet“ sind, dann deutet das auf kollektive Mißwirtschaft hin.

    Das geliehene Geld wurde nicht dort eingesetzt, wo es volkswirtschaftliches Wachstums generiert.

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  3. Das ist doch immer das selbe spiel mit den selbsternannten Eliten. Das Geld kommt nie dahin wo es hinsollte. Siehe die Flüchtlinge die wertvoller wie Gold sind, weil unsere Regierung und einige andere, diese als Katalysator für Steuergeld Umleitung in die Asylindustrie nutzen, und jeder doppelt und mehrfach gemeldete Flüchtling ist deshalb wertvoller als Gold denn jede Meldung bringt zusätzliche Einnahmen, bei gleichfalls nicht wirklich steigenden Kosten.

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  4. Die Flüchtlinge sind wie alle Menschen dem Natur-Rhythmus unterworfen: sie müssen essen, trinken und schlafen.
    Sie können aber selbst (lange Zeit hindurch) nichts zur Erstellung des Sozialprodukts beitragen.
    Also müssen Sie von den Arbeitenden alimentiert werden.
    Mithin sind sie in ökonomischer Betrachtung (und darum geht es ja hier) Kostgänger der Allgemeinheit — mögen sie als Menschen auch wertvoller als Gold sein.

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