„Großer Zeitzeuge, leidenschaftlicher Christ und Freund von Renovabis“

Zum Tod von Miloslav Kardinal Vlk

FREISING/PRAG. Er wollte auf der Straße unter den Menschen Seelsorger sein. Der am Samstag, 18. März, verstorbene Miloslav Kardinal Vlk ist nach dem Fall des Eisernen Vorhangs mit sei­ner Tätigkeit als Fensterputzer bei vielen Menschen im Gedächtnis geblieben. Und er hat diese Arbeit ernst ge­nommen, genauso wie die als Straßenbahnfah­rer. Sie war ihm wichtig, weil er dabei den vom Glauben entfremdeten Men­schen während der kommunisti­schen Zeit nah sein konnte. Zwischen den Jah­ren als bedrängter und im ver­borgenen seinen Glauben bezeugender junger Priester und der Leitung der tra­ditionsreichen böhmischen Erzdiözese Prag und der Verleihung der Kardinalswürde entwickelte sich Vlks Sehnsucht nach einer Neuevangelisastion Europas, die er in den frühen 90er Jahren leidenschaftlich mitinititiiert hat.

Kardinal Vlk war von 1993 bis 2001 Präsident des „Rates der europäi­schen Bischofskonferenzen“ (CCEE) und stand von 1993 bis 2000 der Tsche­chischen Bischofskonferenz vor. In diesen Positionen hat er sich für eine Ver­besserung des Ost-West-Verhältnisses und der Ökumene eingesetzt. Für seine Arbeit im Rahmen der deutsch-tschechischen Beziehungen erhielt Kar­dinal Vlk 1999 das Bundesverdienstkreuz. Aufgrund seines Engagements für die Einheit der Kirche und die Völkerverständigung wurde er 2001 mit dem Inter­nationalen Brückepreis der Stadt Görlitz und mit der theologischen Eh­ren­doktorwürde der Universität Oppeln ausgezeichnet.

Seit Bestehen von Renovabis hat der Kardinal für die Menschen in Tschechien und in seiner Kirchenprovinz zahlreiche pastorale und soziale Projekte entwickelt und mit Leidenschaft begleitet. Den Ansatz der Solidari­tätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteu­ropa machte er sich zu eigen und verbreitete diese Idee bei sei­nen vielen hoch­rangigen Gesprächen über die Perspektiven Europas. Während der letzten Jahre enttäuschte den Kardinal die Betonung neuer Nationalismen, die er als dem Zusammenhalt des europäischen Wertegefüges abträglich ein­schätzte.

Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pfarrer Dr. Christian Hartl und der langjährige Geschäftsführer Dr. Gerhard Albert erinnern sich an den ehemali­gen Prager Erzbischof und engen Partner der Aktion Renovabis mit großer Sympathie: „Eine bewundernswerte Persönlichkeit, dem Evangelium ganz nah!“, so Hartl und weiter Albert: „Kardinal Vlk ist ein großer Zeitzeuge, leiden­schaftlicher Christ und Freund von Renovabis gewe­sen. Nachdem der Kardi­nal mit so großem persönlichen Einsatz in der Zeit der kommunistischen Dik­tatur heimlich seinen priesterlichen Dienst versehen hat, gestaltete er dann unter den Bedingungen demokratischer Freiheiten maßgeblich das kirchliche Leben in Tschechien.“ Renovabis sei dem Verstorbenen sehr dankbar für die vertrauensvolle und zielgerichtete Zusammenarbeit in so vielen Projekten. Seinerseits sei der Prager Erzbischof den Projektpartnern, aber auch den Mit­arbeiterinnen und Mitarbeitern des Hilfswerks sehr verbunden gewesen.

Erst vor gut zwei Jahren hatte Kardinal Vlk mit Reno­vabis das Buch „Zeugen für Gott — Glauben in kommunistischer Zeit“ vorge­stellt, in dem neben 16 weiteren Lebensläufen, Vlks Kampf um die Freiheit von Glauben und Kirche eindrucksvoll vorgestellt wird.

 

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