Schick: „Kirche will und soll politisch sein“

Erzbischof Schick plädiert beim Aschermittwoch der Künstler in Nürnberg für eine bunte Gesellschaft

Nürnberg. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick tritt Forderungen entgegen, die Kirche solle sich aus der Politik heraushalten. „Die Kirche will und soll politisch sein und damit am Aufbau der Gesellschaft mitwirken“, sagte Schick beim Aschermittwoch der Künstler in Nürnberg. Wer die Kirche aus Politik und Gesellschaft entfernen wolle, trage zum Schaden der Gesellschaft und des Gemeinwohls bei und hindere die Kirche, ihren Auftrag für die Menschen zu erfüllen. „Die Kirche ist Gemeinschaft der Christen, die jede Gesellschaft und die ganze Menschheit mit den Werten und Tugenden des Evangeliums bereichern soll. Das ist Auftrag Jesu an seine Kirche zu allen Zeiten.“

Bei der Erfüllung ihres Auftrags arbeite die Kirche mit allen gesellschaftlichen Gruppen zusammen, die ebenfalls ein menschenfreundliches Gemeinwesen der Gerechtigkeit und des Friedens aufbauen wollen. Dazu gehörten Parteien, staatliche Institutionen, Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen, Bildungseinrichtungen, Medien und soziale Einrichtungen. Auch die Beteiligung der Kirche am Aschermittwoch der Künstler zeige, dass sie politisch wirken wolle: „Kunst und Kirche sollen die Gesellschaft mitgestalten.“

Schick erinnerte an Goethes Schrift „Zur Farbenlehre“, die ein Plädoyer für das Bunte darstelle. Auch die Kirche plädiere heute wie immer für eine bunte Gesellschaft im Gegensatz zur braunen, roten oder grauen Vereinheitlichung wie in totalitären Staaten. „Das Christentum ist bunt, die christliche Glaubenswelt ist bunt, und der Himmel ist bunt, wie z. B. die Offenbarung des Johannes beschreibt“, betonte Schick. „Als Christen plädieren wir für die Vielfalt im Leben. Wir verteidigen die Demokratie, das Mehrparteiensystem, die Pressefreiheit und reagieren besorgt, wenn Medien gleichgeschaltet und unliebsame Reporter in Gefängnissen mundtot gemacht werden, wie es derzeit in der Türkei geschieht.“

Christen engagierten sich auch für die Vielfalt der Kunst, so Schick. „Wenn wir als Christen das Bunte lieben, dann deshalb, weil die vielen Farben eine sinnliche und sittliche Wirkung auf die Seele der Menschen haben, die dann in unserer Gesellschaft entsprechend wirken“, betonte der Erzbischof.

Beim Aschermittwoch der Künstler stand diesmal ein Werk des Künstlers Carsten Fock im Mittelpunkt, der den Pirckheimersaal im Caritas-Pirckheimer-Haus in Violett und Blau gestaltet hat. Ein Impulsreferat hielt  der Theologe und Kunsthistoriker Andreas Puchta.

Der Aschermittwoch der Künstler entstand nach dem Zweiten Weltkrieg auf Initiative des Schriftstellers Paul Claudel in Paris. Das Erzbistum Bamberg führt diese Tradition fort und lädt Künstler und Kunstinteressierte jährlich in Nürnberg zu einer Andacht mit anschließendem Impulsreferat und Diskussion sowie Begegnung beim Fastenessen ein.

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Ein Gedanke zu “Schick: „Kirche will und soll politisch sein“

  1. Kirche und Politik sollten strikt getrennt werden. Politische Dinge offen kommentieren, ja! Direkten Einfluß auf Entscheidungen Nein.
    Die Kirche ist eines der besten ‚Wirtschaftsunternehmen seit rund 2000 Jahren und Sie sollte sich auf das beschränken was Sie vorgibt zu sein.

    Denn was würde passieren wenn Jesus heute wider kommen würde????

    Er würde mit Sicherheit die Masse dieser Pharisäer dort hin jagen wo sie hin gehören! Die in der Bibel beschriebene Geschichte würde sich wiederholen! Auch bis zum Ende?

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