Die Allianz: CEO Bäte sucht eine Strategie

von Dr. Uli Spreitzer

Der CEO der Allianz Oliver Bäte gab Ende Januar in der Süddeutschen Zeitung ein ausführliches Interview. Einige Probleme der Allianz wurden angesprochen und Unterstützung durch die Politik bzw. EZB gefordert. Als Strategie nannte er Übernahme ähnlich großer Konkurrenten. Inzwischen scheint die Übernahme des Mitbewerbers Generali gescheitert. Aktienrückkaufprogramme und hohe Dividendenzahlungen soll die Allianz für die Anteilseigner attraktiv halten. Eine aufregende Strategie ist noch nicht erkennbar. Langsam sollte CEO Bäte liefern.

Position der Allianz im Markt

Die Allianz ist aktuell der größte Versicherer Europas. Der Aktienkurs hat sich deutlich erholt auf ca. 160 EUR. Gleichwohl ist er weit von den historischen Werten von 400 EUR pro Aktie Ende des letzten Jahrtausends entfernt. Bezogen auf die Beitragseinnahmen ist die Lebens- und Krankenversicherung die größte Sparte. Die rentabelsten Sparten sind die Sachversicherungen und trotz all der Turbulenzen der letzten beiden Jahre mit dem Abgang des CEO Gross, der Vermögensverwalter PIMCO. PIMCO galt unter Gross als der Manager von Anleihenfonds.

Das Jahr 2016 war ein äußerst erfolgreiches Geschäftsjahr für die Allianz mit einem operativen Gewinn von 10,3 Mrd EUR.

Die Allianz die Politik der BRD – immer noch eine Symbiose?

Kein Unternehmen der BRD hatte eine solche Bedeutung und Einfluss auf die Politik der BRD und keines wurde so in seinen Geschäften durch Gesetzgebung unterstützt.

Die Allianz förderte durch Ihre originäre Versicherungstätigkeit Wirtschaft und Gesellschaft der BRD. Sie veranlagte viele Ihre Beiträge langfristig in fast allen großen Unternehmen der BRD. Mit ihrer hohen Professionalität, in den Aufsichtsräten vertreten, kontrollierte und disziplinierte sie manche Unternehmensführung. Manche Übernahme eines Unternehmens, wenn sie nicht im Interesse der BRD war, scheiterte am Investor Allianz. Ein Beispiel dafür war die Beiersdorf AG.

Umgekehrt stützte die Politik die Allianz und deren Geschäftsbetrieb. Steuerfreiheit oder -reduktion bis zur Fortzahlung d Beiträge während des Wehrdienstes stützten das Geschäft der Lebensversicherung. So wurde dieses Produkt in der BRD extrem beliebt, obwohl es für Kunden, mit geringem Einkommen oder unterbrochener Erwerbsbiographie viel zu teuer ist.

Die Regierung Schröder änderte die Gesetzgebung der betrieblichen Altersversorgung. Damit wurde die Finanzierung weg von den Rückstellungen im Betrieb hin zu Pensionsfonds oder Lebensversicherungen interessant. Tariflösungen, wie die Metallrente (Ausschreibung von der Allianz gewonnen) brachten neues Geschäft für die Versicherer

In 2008 verkaufte die Allianz ihre einige Jahre zuvor erworbene Beteiligung Dresdner Bank an die Commerzbank. Dies trieb die Commerzbank fast in die Insolvenz, nahm dem Konkurrenten Generali einen wichtigen Vertriebszweig weg und befreite die Allianz von riesigen Lasten. Die Regierung Merkel sicherte mit großen direkten Aktienkäufen und mittels europäischer Stabilitätshilfen das Überleben der Commerzbank.

Mikroversicherungen, die die Allianz mit “Unterstützung” der Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ z.B. in Indien millionenfach vertrieb, bildeten einen neuen Geschäftszweig

Die Aktuelle Geschäftssituation im Niedrigzinsumfeld

Das Hauptgeschäft der Allianz, die Lebensversicherung braucht eine gute Verzinsung der Veranlagung auch um die hohen Abschluss- und Verwaltungskosten des Produkts zu rechtfertigen. Im aktuell Umfeld niedriger Zinsen für Anleihen, in denen vorrangig die Versicherer veranlagen, ist dies schwierig. Zum anderen erfordern Anlagen in Aktien im gesetzlichen Regelungswerk Solceny II viel Eigenkapital. Stille Reserven – die Allianz SE hat sicher mehr als viele der Konkurenten – helfen eine gewisse Zeit gute Verzinsung zu erzielen.

Dennoch hat auch sie – durch die Finanzpolitik d EZB veranlasst – in Anleihen investiert mit Laufzeiten, die viel kürzer sind als die Laufzeiten ihrer Verpflichtungen. Dieses sogenannte Duration-Gap wird zum Problem, wenn wie jetzt absehbar, die Zinsen wieder steigen werden.

Die Kosten der Lebensversicherung sind weiter ein Thema. Die gezilmerten Abschlussprämien mussten reduziert werden. Jetzt sind interne Kosten der Finanzanlagen und “dirty fees” also Rabatte an die Versicherer in der Diskussion.

Strategie des Geschäfts

Eine Aussage im Interview lässt aufhorchen. Es wird von Übernahme von Konkurrenten gesprochen. Die dabei konnotierten Konkurrenten, wie Generali, AXA oder Zurich sind ähnlich groß wie die Allianz. Auch sie sind globale “Komplettversicherer” und in Ihren Heimatländern ähnlich wichtig wie die Allianz in Deutschland. Gleichwohl scheint die Allianz diesen Weg zu verfolgen, auch wenn der in den letzten Tagen bekannt gewordene Versuch mit Intesa SaoPaolo die Generali feindlich zu übernehmen, scheiterte.

Die Gefahren für die Allianz

Trotz des glänzenden Ergebnisses für 2016 gibt es aktuell viele Gefahren für die Allianz. Eine Zinswende ist eingeleitet in den USA. Dies trifft alle, deren Kerninvestment Anleihen sind. Bei der Allianz wird dies Probleme bei PIMCO und Lebensversicherungen erzeugen. Bei den lukrativeren Sachversicherungen scheinen Mitwettbewerber wie die Zürich in den USA besser am Markt zu reüssieren.

Auch dreht sich „ewigen“ Wettkampf Bank vs. Versicherung die Großwetterlage v.A. in den USA zu Gunsten der Banken und gegen die Versicherer. Präsident Trump will Regulierungen für Banken verschlanken und praktikabler machen. Auch in der BRD scheint die politische Großwetterlage eher nach links und damit weg von den Versicherern zu drehen.

Statt einer Strategie die Warteschleife Aktienrückkauf und Dividenden

Auffallend ist, dass die Allianz relative hohe Dividende zahlte in den letzten und auch in diesem Jahr und gleichzeitig ein Aktienrückkaufprogramm plant. Solche Aktionen gelten in der Finanzwelt oft als Wartescheschleifen des Managements, das neue Ideen und Geschäftszweige such, aber noch nicht gefunden hat. Zurückblickend auf die Geschichte der Allianz, hatte sie schon bessere und innovativere Zeiten. Zuletzt lancierte Berichte über großzügigen Gebrauch von Privatjets durch CEO Bäte könnten andeuten, dass Entscheidungsträger bei der Allianz aus dem Aufsichtsrat oder von Großinvestoren ähnliches denken.

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