MISEREOR nach Syrien-Reise: Genfer Syrien-Konferenz muss Leid der Binnenvertriebenen an erster Stelle auf die Tagesordnung setzen

Aachen. „Die Zerstörung des Landes und die Vertreibungen der Bevölkerung in Syrien sind beispiellos“, so MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon nach seiner gerade beendeten Syrien-Reise die unter anderem nach Aleppo, Homs und
Damaskus führte. Millionen Menschen sind entwurzelt. Wir vergessen aber immer wieder, dass die Mehrzahl der syrischen Flüchtlinge nach wie vor in Syrien selbst zu finden ist, unter ihnen gerade die Ärmsten, die Alten, die Schwachen.“

Angesichts der verheerenden humanitären Lage fordert MISEREOR daher, den Schutz der Zivilbevölkerung als dringendste Aufgabe der Völkergemeinschaft anzusehen. Die Situation in Syrien im beginnenden siebten Jahr des Krieges ist dramatisch: 13,5 Millionen Menschen, darunter 5,6 Millionen Kinder brauchen dringend humanitäre Hilfe. 470.000 Menschen wurden getötet und weitere 1,9 Millionen Menschen schwer verletzt. Zwar schweigen im Zentrum von  Aleppo momentan die Waffen, doch die Kämpfe im Land gehen weiter.

Die Waffen müssen schweigen

„Gefechtslärm aus den Randbezirken war auch in Aleppo und Damaskus weiterhin zu hören und niemand wagt derzeit Prognosen für die Zukunft. Machtlos ins Räderwerk  der Weltpolitik geraten, hoffen die Menschen inzwischen  nur noch darauf, dass zumindest die aktuelle Waffenruhe anhält“, berichtet MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon. „Die Dauerbombardierung und die endlosen Gefechte in Aleppo waren die reinste Hölle. Wir haben nun lange genug zusehen müssen, wie von allen Seiten Kriegsverbrechen begangen wurden – jetzt ist Einigkeit der Vereinten Nationen im Sicherheitsrat gefragt. Nur wenn die Waffen dauerhaft schweigen, kann diese humanitäre Katastrophe gestoppt werden – dazu zählen auch Flugverbotszonen“, so Bröckelmann-Simon. „Ich habe erlebt, was selbst eine vorübergehende Waffenruhe bedeutet. In Aleppo kann man wahrnehmen, wie sich die  Menschen nach Normalität und Wiederaufbau sehnen“, berichtet Bröckelmann-Simon.

Stärkere Rolle und mehr Präsenz der UN in Syrien

„Es ist berührend, immer wieder Einzelne zu sehen, die in all der Zerstörung versuchen, aufzuräumen, sich neu einzurichten und wirtschaftlich wieder auf eigene Beine zu kommen. Alles, was dazu beiträgt, das Leben im Lande selbst erträglicher zu machen, muss nun getan werden, sonst hält der Exodus weiter an“, so Bröckelmann-Simon. „Aber das geht nur, wenn die Gewalt ein Ende hat. Wir erwarten daher von der Syrien-Konferenz nicht nur eine Stabilisierung der Waffenruhe, sondern auch  eine Stärkung der Rolle und Präsenz der UN in Syrien, um die sichere Rückkehr der Vertriebenen  und die gleichmäßige humanitäre Versorgung der Menschen zu gewährleisten“.

MISEREOR unterstützt in Aleppo und Damaskus Maßnahmen der dort ansässigen Ordensgemeinschaften im Bereich der Wasser-, Gesundheits- und Grundversorgung. In Sozialzentren werden überdies Kinder und Jugendliche betreut und schulisch versorgt, da in Syrien die Schulversorgung kriegsbedingt um 50% gesunken ist. Insgesamt führt MISEREOR in Syrien zurzeit neun Projekte in Höhe von mehr als 1,4 Millionen Euro durch und plant für 2017, diese Hilfe um weitere 1,7 Millionen auszuweiten. Seit Beginn des Krieges in 2011 hat MISEREOR für Maßnahmen in Syrien 3,6 Mio. Euro bereitgestellt.

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