„Einer der entschiedensten und kompromisslosesten Gegner Hitlers“ – Bischof Voderholzer referierte über Fritz Gerlich

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Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei seinem Vortrag.

Großes Interesse zeigten die Schülerinnen und Schüler und die Lehrkräfte der Dr.-Johanna-Decker-Schulen in Amberg sowie Eltern und Seelsorger mehrerer Amberger Pfarreien am Vortrag von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer über Fritz Gerlich, den Widerstandskämpfer gegen Hitler und das NS-Regime. Der Vortrag war exakt am 134. Geburtstag Gerlichs – am 15. Februar 1883 wurde dieser in Stettin geboren.
Der Leiter des Gymnasiums und der Realschule, Oberstudiendirektor Günter Jehl, hieß im Gerhardinger-Saal die vielen Zuhörer, besonders aber Bischof Voderholzer, herzlich willkommen und dankte für die Bereitschaft, diesen Vortrag zu halten. Auch wies Jehl auf den inzwischen eingeleiteten Seligsprechungsprozess für Gerlich hin sowie – überleitend zum Vortrag – auf die zentralen Wesenszüge und Charakteristika Gerlichs: die Suche nach Wahrheit, die frühzeitige Einschätzung der Folgen der NS-Herrschaft und sein durch Therese Neumann stark geprägter tiefer katholischer Glaube.

Bischof Voderholzer: „Jemand, der Fritz Gerlich sehr verehrt“
Er halte diesen Vortrag „nicht in seiner Autorität als Bischof, sondern als jemand, der diesen Mann sehr verehrt. Man muss alles tun, um sein Werk und sein Lebenszeugnis bekannt zu machen“, begann der Oberhirte sein Referat. Mehrere Namen bekannter Widerstandskämpfer nennend stellte Bischof Voderholzer fest, dass die meisten gegen Ende des NS-Reiches aktiv gewesen seien. „Es gibt aber auch Leute, die sich schon in den frühen 20er Jahren kritisch mit dem NS-System auseinandergesetzt, vor Hitler gewarnt und dies mit dem Leben bezahlt haben. Einer davon ist Fritz Gerlich“, kam der Bischof auf die Person seines Vortrags. Zwar wurde Gerlich im August 1945 in Regensburg eine Straße gewidmet, 1946 erschien ein Buch mit Texten von ihm und 1949 eine Lebensbeschreibung – eine gebührende Würdigung fehlte aber lange Zeit.
Bischof Voderholzer zeichnete das Leben und Wirken des am 15. Februar 1883 in Stettin Geborenen, der im Wintersemester 1901/02 zum Studium nach München kam, akribisch nach. So auch die zunehmende Hinwendung hier zu Religion und Glauben, die Aufnahme einer Berufstätigkeit nach der Promotion im Jahr 1907 im Königlich-Bayerischen Staatsarchiv und die erste Buchveröffentlichung über die Geschichte und Theorie des Kapitalismus. Seine publizistische Tätigkeit begann Gerlich im Jahr 1917, wobei er selbst die Reichsregierung nicht verschonte, sich aber auch mit dem Marxismus-Leninismus beschäftigte. Dies führte dazu, dass Gerlich Hauptschriftleiter der Münchner Neuesten Nachrichten (Vorgängerblatt der Süddeutschen Zeitung) wurde. Obwohl bisher durchaus national eingestellt, prägte Gerlich eine Begegnung mit Adolf Hitler im Kontext des Putschversuches in München am 9. November 1923. „Er hat Hitler als egozentrisch, zu keinem echten Gedankenaustausch fähigen Menschen erlebt. Der Novemberputsch heilte Gerlich von allen nationalistischen Neigungen“, beschrieb Bischof Voderholzer diese entscheidende Episode.

Fritz Gerlich warnte vor der NS-Ideologie
Prägend für Gerlich war aber auch die Begegung mit Therese Neumann („Resl von Konnersreuth“) im Jahr 1927 und die Beschäftigung mit ihr im Vorfeld. Gerlich wurde zum überzeugten Christen, andererseits wurde seine Position bei der Zeitung zunehmend angefochten – mit der Folge seiner Entlassung. Beruflich ab November 1929 wieder zurück im Staatsdienst, stieß Gerlich in Eichstätt zu einem Kreis entschiedener Hitler-Gegner. Durch diese Kontakte und bekräftigt durch Therese Neumann erfolgte 1930 der Kauf der Zeitung „Der illustrierte Sonntag“, die in ein politisches Journal umgestaltet und schließlich in „Der gerade Weg. Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht“ umbenannt wurde. Am 19. Juli 1931 begann Gerlich mit dieser Zeitung den Kampf gegen Hitler, am 29. September 1931 trat er zur katholischen Kirche über. „Er warnte vor der NS-Ideologie, sagte bitteres Leid voraus und zog alle journalistischen Register“, verdeutlichte Bischof Voderholzer und bot einige Beispiele. Doch Gerlich ging es nicht nur um die Entlarvung Hitlers, sondern auch um andere Aspekte und Visionen wie die „Politik der zehn Gebote“, die Natur- bzw. Soziallehre oder ein vereintes Europa. Und neben Hitler und der NSDAP bekamen auch – vor 1933 – Vertreter der bürgerlichen Parteien (Zentrum) ihr Fett ab.
Nach der NS-Machtübernahme stürmte die SA am 9. März 1933 die Redaktionsräume des „Geraden Weg“, Gerlich wurde zusammengeschlagen und in Haft genommen. Kardinal Michael Faulhaber bemühte sich in einem Brief an Hitler um Gerlichs Freilassung – aber vergebens. Von mehreren Zeugen und Gesprächspartnern in der Haft sind Folterungen Gerlichs ebenso bezeugt wie seine Stärke und sein Bewusstsein, dass er sterben würde. In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1934 wurde Gerlich nach Dachau gebracht und dort erschossen. „Fritz Gerlich hat sein Schicksal angenommen als Kreuzweg in der Nachfolge Jesu“, fasste Bischof Voderholzer zusammen und würdigte ihn als „Beispiel für das Laienapostolat“.

Quelle: http://www.bistum-regensburg.de

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