Journalistin und Theologe sprechen über Lehrschreiben „Amoris Laetitia“

„An der Ehe scheiden sich die Geister.“ Dr. Christiane Florin, Buchautorin und Redakteurin beim Deutschlandfunk, brachte es schon zu Beginn des Abends auf den Punkt. „Die Ehe war mal eine Norm, heute ist sie ein Leitbild unter mehreren.“

 

In ihren Ausführungen über das päpstliche Schreiben „Amoris Laetitia. Über die Liebe“ kritisierte die Journalistin am 6. Februar bei einem Abendforum in der Akademie Franz Hitze Haus die Debatte um die Ehe: „Es mangelt nicht an Meinungen in diesem Konflikt, woran es mangelt, das ist die wache und ehrliche Beschreibung dessen, was war und was ist.“ Gemeinsam mit dem Theologen und Kirchenrechtler Dr. Martin Zumbült aus Münster diskutierte sie mit den Teilnehmern über die Resonanz auf das Lehrschreiben.

Florin, Autorin des Buches „Die Ehe. Ein riskantes Sakrament“, lobte das Vorgehen von Papst Franziskus im Jahr 2013, die Menschen per Fragebogen zu den Themen Partnerschaft, Ehe und Familie zu befragen. „Endlich ein Papst, der nach dem Sein fragt und sich nicht nur für das Sollen interessiert; der zugibt: ‚Wir haben uns zwar jahrhundertelang als Eheberater aufgeführt, aber wir hatten eigentlich keine Ahnung von Euch.‘“ Mit „Amoris Laetitia“ habe Franziskus eine Debatte eröffnet, die längst noch nicht abgeschlossen sei. Jahrzehntelang habe die Eheberatung der Kirche aus einem einzigen Wort bestanden: „Durchhalten.

Den Weg gehen, auch wenn es ein Kreuzweg ist.“ In dem päpstlichen Schreiben nehme Franziskus als erster Papst die Liebe ernst und erkenne sie als Risiko für die Ehe an. „Liebe kann heute auf Ehe verzichten, aber die Ehe nicht auf die Liebe“, betonte Florin.

Nach Meinung der Journalistin ändere das päpstliche Schreiben das Verhältnis von Leben und Lehre, von Wirklichkeit und Norm. „Amoris Laetitia preist die Ehe, aber es erdet sie auch und holt sie vom Sockel permanenter Heiligkeit herunter“, sagte sie. So gebe Franziskus Tipps für den Ehealltag und wähle eine persönliche Ansprache. In Anlehnung an den Satz „Die Wirklichkeit ist wichtiger als die Idee“ aus dem ersten Apostolischen Schreiben des Papstes „Evangelii Gaudium“ formulierte sie ein Erfolgskonzept: „Eine Kirche, die nicht zur Kenntnis nimmt, was tatsächlich geschieht, die wird auch in ihrer Idee, in ihrer Botschaft scheitern.“ Als „ein Buch über das Heilige und das Heikle der Liebe“ bezeichnete die Journalistin abschließend „Amoris Laetitia“. „Es ist ein Lehrschreiben, ein Lernschreiben, aber vor allem ist es ein Bittschreiben.“

„Ein lehramtliches Erdbeben“, so betitelte Dr. Martin Zumbült das päpstliche Schreiben, das vor knapp einem Jahr veröffentlicht wurde. Der Theologe, der als Richter für Eheangelegenheiten am Bischöflichen Offizialat arbeitet, ist ebenfalls der Meinung, dass Papst Franziskus mit „Amoris Laetitia“ „weit mehr als nur pastorale Salbe auf die Wunden der Verletzten oder neue Sprachregelungen für barmherzige Verurteilungen“ bietet. In fünf Thesen, die er zur Diskussion stellte, griff er unter anderem die Frage nach wiederverheirateten Geschiedenen und deren Zulassung zur Eucharistie auf. „Eine Wiederheirat nach Scheidung ist allein kein Grund für den Ausschluss von der Eucharistie“, betonte er. Wie die deutschen Bischöfe in ihrer vor wenigen Tagen veröffentlichten Reaktion auf „Amoris Laetitia“ ebenfalls formulierten, seien die Einzelsituationen zu betrachten. So gebe es keinen kategorischen Ausschluss von den Sakramenten. „Das führt die Lehre der Kirche in lange nicht dagewesener Weise in ihre überlieferten Strukturen zurück und verlangt zugleich von den Gläubigen mehr als irgendein lehramtliches Schreiben zuvor“, hob Zumbült hervor.

„Amoris Laetitia“ sei ein Schreiben, aus dem sich viel entnehmen lasse – auch aus dem Nichtgesagten. „Es schweigt an vielen Stellen, an denen man eine Äußerung erwartet hätte“, sagte der Theologe. So stellte er die These auf, dass das kategorische Verbot künstlicher Empfängnisverhütung als „in sich schlecht“ aus dem Lehramt verschwunden sei. „Indem der Papst dieses nicht explizit äußert, sagt er, dass die Familienplanung einzig und allein Sache der Ehegatten ist, kein Staat dem Partner Vorschriften machen und kein Gesetz die Gewissensentscheidung ersetzen darf“, erklärte er. Damit eröffne Papst Franziskus insgesamt einen Blick für Veränderungen rund um Ehe und Familie.

Quelle: http://www.bistum-muenster.de/

 

Advertisements

Ein Gedanke zu “Journalistin und Theologe sprechen über Lehrschreiben „Amoris Laetitia“

  1. Wenn in einer Wissenschaft die Realität mit der Theorie nicht mehr übereinstimmt, so sucht man nach Gründen für den Dissens zunächst in der Theorie (Lehre).
    Anscheinend kann das die Theologie nicht.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s