Kardinal Marx beklagt Verrohung öffentlicher Debatten

Erzbischof von München und Freising: „Wie wir sprechen, so handeln wir möglicherweise später“

München. Kardinal Reinhard Marx hat eine zunehmende Verrohung in den öffentlichen Debatten beklagt und die Christen dazu aufgerufen, aufzustehen, wenn eine Diskussion statt offen und fair, nur noch rücksichtslos geführt werde: „Wie schrecklich ist es, dass unsere Sprache so verroht ist. Wie wir sprechen, so handeln wir möglicherweise später“, sagte der Erzbischof von München und Freising beim Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom zum Fest Darstellung des Herrn am Donnerstagabend, 2. Februar.

Mit Blick auf die gesellschaftlichen, politischen, aber auch kirchlichen Diskussionen warnte der Kardinal: „Mit der Verrohung der Sprache beginnt die Gewalt.“ Er rief alle Christen dazu auf, die Stimme zu erheben, wenn beispielsweise am Stammtisch nur polemisiert, statt argumentiert werde. „Wir dürfen offen und kritisch miteinander diskutieren“, sagte Marx, aber gerade für Christen müsse die „Orientierung an Jesus“ leitend sein.

Gerade in der jüngsten Vergangenheit sei zu spüren, dass „die Frage nach Orientierung, nach dem rechten Weg, den wir als Person und als Gesellschaft gehen sollen, drängender geworden ist“, stellte Marx fest. „Wir sind unsicherer geworden: Was wird auf uns zukommen in diesem Jahrhundert, wo ist der Halt, an dem wir uns festmachen können?“ Der Erzbischof erinnerte daran, dass die Weihe, wie sie Christen in den Sakramenten erfahren, „nichts anderes heißt als ganz ausgerichtet sein auf Gott“. So bedeute die Taufe „einen Weg in eine wirkliche Orientierung, die nicht vergeht mit Wahlergebnisse oder Moden“.

Der Erzbischof dankte anlässlich des Festes Darstellung des Herrn, der auch als „Tag des geweihten Lebens“ begangen wird, allen Ordensangehörigen dafür, dass sie diese Orientierung auf Gott hin vorlebten, die „Aufklärung in der Verwirrung, Wahrheit im Irrtum“ bedeute. Diese Orientierung gelte für alle Christen: „In der Taufe sind wir geweiht, ausgerichtet auf die Liebe Gottes“. Mit jeder Erinnerung an Taufe, Kommunion oder Ehe, so Marx, „mit jedem erneuerten Ja-Wort richten wir uns neu aus“.

Das Fest Darstellung des Herrn erinnert an die Darbringung Jesu im Tempel: Der jüdischen Tradition folgend, bringen Maria und Josef ihren erstgeborenen Sohn 40 Tage nach seiner Geburt in den Tempel, um ihn Gott zu weihen. Durch ein Geldopfer lösen sie ihn wieder aus. Der greise Simeon erkennt Jesus als Sohn Gottes und nennt ihn „Messias des Herrn“ und „ein Licht, das die Heiden erleuchtet“. Die Tradition der Lichterprozessionen entstand bereits im ersten Jahrtausend nach Christus, vermutlich auch in Anlehnung an Prozessionen in vorchristlicher Zeit. Aus der Lichtsymbolik erwuchs der Brauch, an diesem Tag die für das kommende Jahr benötigten Kerzen zu weihen. Seit 1997 wird Darstellung des Herrn auch als „Tag des geweihten Lebens“ begangen, bezugnehmend auf die Darbringung Jesu im Tempel. So haben an diesem Tag das Gebet für Ordensfrauen und Ordensmänner und der Dank für ihren Dienst eine besondere Rolle. (ck)

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