„Ein Kind zu töten, ist keine Lösung“

Lebensschützerin Alexandra Maria Linder im Gespräch mit der Katholischen SonntagsZeitung/Neuen Bildpost

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Alexandra Maria Linder (Foto:privat)

Fürchte dich nicht, du kleine Herde!“ heißt das Leitwort des diesjährigen Kongresses „Freude am Glauben“, der vom 7. bis 9. Juli in Fulda stattfindet. Das Forum Deutscher Katholiken konnte als Referentin auch die Lebensschützerin Alexandra Maria Linder (Foto) gewinnen. Im Interview sprach die Vorsitzende der Aktion „Lebensrecht für alle e. V.“ (Alfa) mit der Katholischen SonntagsZeitung/Neuen Bildpost über Widerstände, krude Ideologien und andere Dammbrüche.

Das Interview führte Victoria Fels.

Katholische SonntagsZeitung/Neue Bildpost: Frau Linder, Ihr Vortrag beim Kongress „Freude am Glauben“ steht unter dem Lessing’schen Leitwort „Nur die Sache ist verloren, die man aufgibt.“ Stellt Durchhaltevermögen die wichtigste Tugend eines Lebensschützers dar?

Linder: Wenn wir einer Frau im Schwangerschaftskonflikt helfen und ein paar Monate später das Baby krähen hören, ist das so motivierend, dass wir über Durchhaltevermögen nicht nachzudenken brauchen.

In der Politik dagegen, bei Vorlagen der UN oder aus Brüssel, die in allen Bereichen dem Recht auf Leben entgegenlaufen, ist es sehr nützlich. Da zurzeit politisch wenig zu ändern ist, fördern wir das Lebensrecht aus der Gesellschaft heraus, und auch da hilft ein langer, optimistischer Atem.

Lebensschutz sollte ein Urinstinkt des Menschen sein. Stattdessen werden Abtreibungsgegner heutzutage oft als ewig gestrige, radikale Randgruppe gesehen und teilweise sogar beschimpft und angegriffen. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Wir stören alle, die den Feminismus ins Absurde getrieben haben, und alle, die am Unglück der Frauen Geld verdienen.  Abtreibung ist ein lukratives, sicheres Geschäftsmodell. 15 Abtreibungen am Tag bringen pro Monat einen sechsstelligen Umsatz.  Hinzu kommt die mögliche Verwertung der toten Kinder – ein solcher Skandal ist in den USA gerade öffentlich geworden. Bei „Planned Parenthood“ plante man Abtreibungen gezielt danach, welche Teile der Kinder für Forschungs- und weitere Zwecke bestellt wurden.

Die Feministinnen werfen uns Frauenfeindlichkeit vor. Das ist grundfalsch: Jede Frau kann entscheiden, ob sie ein Kind bekommt, bevor sie schwanger wird. Wenn sie schwanger ist, existiert ein zweiter Mensch mit denselben Rechten. Man kann ihn wie Pro Familia als „Fruchtsack“ vertuschen, was aber an der Tatsache nichts ändert. Daher reagiert man gereizt und versucht, uns durch unsinniges Vokabular zu diskreditieren.  Es ist für unsere Gesellschaft eine katastrophale Kapitulation, wenn sie zulässt, dass die Tötung des eigenen Kindes als Hilfe oder Lösung betrachtet wird. Unser Ziel ist, den Frauen zu helfen, ohne dass das Kind stirbt.

In Deutschland sollen Abtreibungen nach dem Willen des Gesetzgebers möglichst verhindert werden. Das Ziel der Schwangerenkonfliktberatung ist, das Leben des ungeborenen Kindes zu erhalten. Warum gibt es trotzdem an die 100.000 Abtreibungen pro Jahr?

Es sind mehr als 100.000, die Statistik ist unvollständig. Frühabtreibungen durch die Pille danach etwa fehlen ebenso wie unter anderen Kategorien abgerechnete.

Die Regelung „rechtswidrig, aber straffrei“ hat dazu geführt, dass Abtreibung in den ersten zwölf Wochen als legal gilt. Viele glauben wirklich, das Kind sei noch kein Mensch. Da haben Ideologen ganze Arbeit geleistet – und wir noch viel zu tun.

Und die Mentalität hat sich geändert: Kind vielleicht, aber zum Bestzeitpunkt und im Bestzustand, sonst wird es abgetrieben. Auch soziale Notlagen sind ein Grund.  Da läuft in unserem Land etwas schief. Zudem erfüllt so manche Beratungsstelle ihren gesetzlichen Auftrag nicht, nämlich Abtreibungen zu verhindern.

Präimplantationsdiagnostik, Medikamententests an Demenzkranken, Diskussionen um Sterbehilfe – der Schutz des Lebens wird in Deutschland mehr und mehr aufgeweicht. Gibt es überhaupt noch unantastbare Grenzen oder sehen Sie eine Entwicklung zu einer „Alles ist möglich“-Gesellschaft?

An Grenzen glaube ich nicht. Jede leicht geöffnete Tür wird aufgestoßen und wir nähern uns der Szenerie der „Schönen neuen Welt“ von Aldous Huxley. Kommende Themen werden zum Beispiel transhumane Forschung, Gen-Scheren oder Designerbabys sein. Der Mensch wird perfektioniert und computerisiert.

In den USA will der neue Präsident Donald Trump den Lebensschutz durch Rücknahme bestimmter Gesetze stärken. Erwarten Sie davon einen Impuls für die europäische Lebensschutzpolitik?

Ja. Clinton und Obama waren Abtreibungsverfechter. In dieser Hinsicht kann es nur besser werden. Ein erster Test könnten eventuelle politische Folgen des juristischen Berichts zum erwähnten „Planned Parenthood“-Skandal sein.

Info Kongress „Freude am Glauben“

• Alexandra Maria Linder spricht am 7. Juli 2017 um 17.45 Uhr auf dem Kongress „Freude am Glauben“ in Fulda über die Lebensrechtsarbeit im 21. Jahrhundert. Weitere Referenten sind unter anderem der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, Ministerpräsident a. D. Werner Münch und Buchautor Peter Seewald. Das komplette Programm im Internet: www. forum-deutscher-katholiken.de; Menüpunkt „Kongress 2017“.

• Tagungsort ist das Kongresszentrum Esperanto, Esperantoplatz, 36037 Fulda. Hier können unter Tel. 0661/24 29 19 99 oder reservierung@hotel-esperanto.de Zimmer reserviert werden. Anmeldung zum Kongress beim Forum Deutscher Katholiken, Postfach 11 16, 86912 Kaufering, Tel. 081 91/96 67 44 (Mo.-Fr. 16 bis 18 Uhr) oder via Internet. Die Teilnehmerbeiträge können dem Programm entnommen werden.

• Kleinkindbetreuung ist für Kinder bis fünf Jahren möglich. Betreuung für Kinder bis zum zwölften Lebensjahr während der Vorträge bietet die Katholische Pfadfinderschaft Europas (KPE) an.

Quelle: http://www.bistum-regensburg.de

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