Chance, die Zeit mitzuprägen

LIMBURG.- Das Bistum Limburg wird nicht damit aufhören, geflüchteten Menschen ein herzliches Willkommen auszusprechen. Dieses klare Plädoyer für den Aufbau einer Willkommenskultur und die Integration von Flüchtlingen in die deutsche Gesellschaft, legte Bischof Dr. Georg Bätzing beim Neujahrsempfang der Diözese am Sonntag, 15. Januar, in Limburg ab. „Der Nächste ist immer der, der in seiner Not an unsere Tür klopft“, sagte der Bischof vor mehreren hundert Gästen aus Kirche und Politik. Diese Sicht sei nicht naiv und kenne die Herausforderungen. Sie sei jedoch aus christlicher Sicht und mit Blick auf die Menschenwürde alternativlos und daher werde das Bistum alles Mögliche dafür tun, um zu unterstützen, zu helfen und zu begleiten.

neujahrsempfang_00_int

Alle Meldungen Zeitraum wählen: bis 15.01.2017 Chance, die Zeit mitzuprägen Neujahrsempfang 2017 des Bistums Limburg Bischof Dr. Georg Bätzing nutzte den Neujahrsempfang des Bistums, um mit den Gläubigen Gottesdienst zu feiern, sie kennenzulernen und sich auszutauschen. (Fotos: H. Matena/ Bistum Limburg)

Der Gesellschaft gemeinsam Zeugnis geben

Einen weiteren Schwerpunkt, den das Bistum im Jahr 2017 setzt, sind die Initiativen und Überlegungen zur lokalen Kirchenentwicklung, die nach zeitgemäßen Formen kirchlichen Lebens und nach neuen Wegen der Glaubensweitergabe sucht. „Wem dienen wir und wie gelingt es uns, das Wort Gottes, die frohe Botschaft des Evangeliums, weiterzugeben“, beschreibt Bischof Georg die zentrale Fragestellung dieses „Projektes für die nächsten Jahrzehnte“. Stolz sei das Bistum darauf, in vier Jahren Gastgeberdiözese für den dritten Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt zu sein. „Auch wenn uns organisatorische Fragen in 2017 noch nicht intensiv beschäftigen werden, so wollen wir das neue Jahr nutzen, um mit Freude auf das zu schauen, was uns als Christinnen und Christen in Deutschland verbindet“, sagte der Bischof. Er ist davon überzeugt, dass in einer säkularisierteren Gesellschaft das Zeugnis der Christen nur gemeinsam wirklich wahrgenommen werde. „Wir können als Christen viel bewirken und haben mehr gemeinsam als uns trennt“, machte Bätzing deutlich.

Für Georg Bätzing war es der erste Neujahrsempfang, zu dem er als Bischof eingeladen hatte. Er nutzte das traditionelle Treffen, um gemeinsam mit den vielen Gästen im Hohen Dom Gottesdienst zu feiern und anschließend zum Kennenlernen und zum Austausch. Auch für die Kirche seien Neujahrsempfänge etwas Neues, sagte Bätzing in seiner Predigt und lobte die christliche Zeitrechnung. „In einer Welt, die immer einheitlichere Züge trägt, in der alles Eigene, Unverwechselbare und Widerständige unter Anpassungsdruck gerät, ist das für mich etwas ausgesprochen Kostbares“, sagte der Bischof.

Christus ist der Angelpunkt aller Zeit

Die Geburt Jesu gelte seit dem dritten Jahrhundert als Wendepunkt der Geschichte. Die christliche Perspektive auf die Zeit habe seitdem eine Mitte und sei mit einer Person verbunden. „Unser Gestern, Heute und Morgen kennt einen Angelpunkt, Anfang, Mitte und Ziel“, so Bischof Georg. Mit der christlichen Zeit sei daher auch stets der Aspekt der Verantwortung verbunden. Der Einzelne sei verantwortlich für die kostbare, begrenzte Frist an Zeit, die ihm gegeben ist und gemeinsam bestehe die Verantwortung darin, Menschen in der Zeit Sicherheit, Wohlergehen, Zuflucht und Heimat zu ermöglichen, die sie selbst gestalten.

Für das politische Handeln von Christen gelte, dass sich die Zeiterfahrung nicht an dem Gesetz des größer, höher und schneller orientiere, sondern auf ein Ziel und auf ein Ende zu schreite. Die Zeit habe einen Anfang und ein Ende. Der Christ wisse, dass das Ende immer nahe ist und deshalb misstraue er den Programmen, die innergeschichtlich immer größere Perfektion versprächen. „Er weiß, dass der Fortschritt, den er durchaus begrüßt, nicht unendlich sein wird, weil die Welt auf ihr Ende zuläuft und eines Tages von Gottes eigener Zeit eingeholt wird“, sagte der Bischof. Diese Einsicht sei entlastend, denn sie mache den Menschen fähig, über sachliche und pragmatische Lösungen in politischen Fragen überhaupt nachzudenken. Das ewige Heil und das irdische Wohl seien nicht einfach identisch. In dieser Welt könne keiner Allwissenheit für sich beanspruchen, nicht einmal immer das bessere Wissen. Wirtschaft, Politik und Kultur seien Räume, in denen der Mensch sich nur im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott und den Menschen bewege. Es gölten Versuch und Irrtum, Vorgabe und Kompromiss, miteinander Ringen und Streiten um das Bestmögliche, das oft noch zu verbessern sei. „All das hängt zusammen mit einer Zeitrechnung, die von einer personalen Mitte aus denkt, von einem Punkt in der Geschichte, der besetzt und ausgefüllt ist von der Person Jesus Christi.“

Rückblick auf ein bewegtes Jahr

Domkapitular Wolfgang Rösch, Generalvikar des Bischofs, blickte auf ein bewegtes Jahr 2016 zurück. Ein Höhe- und Wendepunkt war die Wahl, die Weihe und die Amtseinführung des neuen Bischofs. „Mit einer Wahlbeteiligung von 100 Prozent hat das Domkapitel einen neuen Bischof gewählt“, sagte Rösch. Damit sei ein fast dreijähriger Ausnahmezustand im Bistum beendet worden. Es sei im vergangenen Jahr spürbar gewesen, dass das Bistum in die Zukunft blicken wollte. „Diese Zukunftsorientierung war der verlässlichen, klugen, klaren und segensreichen Arbeit von Weihbischof Manfred Grothe als Apostolischen Administrator zu verdanken“, so Rösch. Eine Wahl, gerade auch im gesellschaftspolitischen Bereich, sei immer eine Chance für die Demokratie und biete die Möglichkeit, Gesellschaft verantwortlich mitzugestalten. Rösch machte deutlich, dass es ohne Menschen mit Leidenschaft und inneren Überzeugungen in der Kirche und in der Gesellschaft nicht gehe. „Wir brauchen Frauen und Männer, die Verantwortung für Gott und die Menschen wahrnehmen und so auch das neue Jahr mitprägen und mitgestalten.(sts)

Quelle: https://www.bistumlimburg.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s