Digitale Revolution verstärkt weltweite Turbulenzen

Noch nie habe er am Beginn eines Jahres so sorgenvoll auf Zustand und Zukunft der Demokratie in Deutschland geschaut, sagte der Rottenburg-Stuttgarter Bischof. Mit Blick auf die Bundestagswahlen und zunehmend populistische Parolen, stelle die umfassende Digitalisierung gleichzeitig die gesamte Lebenswelt vor große Herausforderungen.

Folgen der digitalen Revolution

„Auf den zahlreichen Onlineplattformen und in den sozialen Netzwerken erleben wir einerseits den positiven Austausch und die beeindruckend schnelle Information über politische und gesellschaftliche Ereignisse überall auf der Welt und andererseits die Gefahr von Falschmeldungen und die Verbreitung von Hass und Häme im Netz“, sagte Bischof Fürst.  Die sich beschleunigende digitale Revolution verstärke die weltweiten Turbulenzen. Mit Verweis auf das biblische Gebot „Du sollst nicht lügen“ führte er die sogenannten „Fakes“ an, bewusst eingesetzte Lügen, die sich im Internet über spezielle Portale, Kanäle oder elektronische Techniken millionenfach automatisch verbreiteten und Gerüchte, Denunziation und Desinformation entstehen ließen. Diese gefährdeten und zerstörten das Vertrauen unter den Menschen. Eine verhängnisvolle Desorientierung sei die Folge sowie negativen Konsequenzen für das Gemeinwesen, sagte Gebhard Fürst.

Erschreckend sei, so Fürst, was sich an offen oder versteckt rassistischen, volksverhetzenden, ehrenrührigen und gewaltbereiten Äußerungen auf Internetplattformen finde. „Alle politischen und gesellschaftlichen Akteure wie auch die Diensteanbieter sind hier zum Handeln aufgefordert.“

Integration als Gegenwartsaufgabe

Die Integration von Flüchtlingen verschiedener Kulturkreise und Religionen sei und bleibe auf absehbare Zeit die zentrale Aufgabe von Gesellschaft und Kirche, betonte Bischof Fürst weiter. Dabei dürfe nicht ausgeblendet werden, dass es auch schwierige Situationen in der Begegnung von Menschen verschiedener Kulturen, Religionen und Regionen gäbe. Beide Seiten müssten hier ihren aktiven Beitrag zum Gelingen der Integration leisten. Fürst kündigte an, zum Welttag des Migranten und Flüchtlings am kommenden Donnerstag (15. Januar)  einen offenen Brief an alle zu schreiben, die aus anderen Kulturkreisen und Religionen auf der Flucht nach Deutschland gekommen seien  und hier wohnen und leben wollten.

In Sorge für Europa

Als wichtigen Garant für ein friedliches Zusammenleben in Europa und in der gesamten Welt sieht Bischof Fürst die Stabilität der Europäischen Einheit. Das Christentum habe das Gesicht Europas wesentlich geformt, in allen Regionen Europas fänden sich Symbole christlicher Präsenz, sagte Fürst. Noch bedeutender sei das Europäische Menschenbild, das jüdisch-christlichen Wurzeln entsprungen sei. Auf dieses vom Christentum geprägte Menschenbild berufe sich Europa und stelle die Achtung der Menschenrechte, Toleranz und Solidarität in den Mittelpunkt. „Die christliche Prägung Europas ist somit nicht nur europäisches Erbe. Sie ist auch Potential für die künftige Gestaltung einer friedlichen, freien und gerechten Europäischen Union“, sagte Bischof Fürst.

Diözesanratssprecher Warmbrunn – positive Kraft der Emotionen nutzen

Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn überbrachte Bischof Gebhard Fürst die Neujahrswünsche der Katholiken in der Diözese. In seinem Grußwort ging er auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen ein. Er stellte fest, der gesellschaftliche Diskurs sei derzeit von Emotionen geprägt. Er beobachte eine Enttäuschung darüber, „dass Tatsachen und Wahrheiten auf einmal nicht mehr zu wirken scheinen: Es herrschte wohl die Vorstellung, unsere Welt funktioniere wie eine Maschine. Das Räderwerk bilden Naturgesetze, wissenschaftliche Erkenntnisse und Ordnungen. Eine Maschine, die geschmiert werden muss, damit sie gut läuft, nicht zuletzt mit Geld. Nun aber prägen Emotionen den gesellschaftlichen Diskurs und scheinen diese Maschine lahmzulegen“, so Warmbrunn.

Warmbrunn rief dazu auf, die positiven Kräfte von Emotionen zu nutzen: „Wer kompetent mit Emotionen umgehen will, muss selbst in der Lage sein, gute Emotionen wie ein Kunstwerk zu gestalten.“ Für die Kirche heiße das, den Menschen „großherzig und großmütig, freundlich, offen, liebevoll“ zu begegnen. Der Glaube müsse in seiner Schönheit und Weite „hell, klar und konsequent“ erfahrbar gemacht werden. So könne „eine gedeihliche Atmosphäre des menschlichen Miteinanders“ erreicht werden.

Quelle: Manuela Pfann, http://www.drs.de

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