Homilie von Bischof Vitus am Hochfest der Gottesmutter Maria, 1. Januar 2017

Brüder und Schwestern im Herrn,
wir feiern heute den achten Tag der Geburt Christi. Es ist der Tag der Beschneidung des Herrn. Darauf spielt das heutige Evangelium an: „Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus …“ (Lk 2,21).
Jesus wird durch die Liturgie des jüdischen Beschneidungsritus unter das Gesetz des Alten Bundes gestellt. Das haben wir in der Lesung aus dem Brief an die Galater vernommen: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt“ (Gal 4,4). Jesus wird Mensch. „Das Wort ist Fleisch geworden“ (Joh 1,14), sagt uns der Evangelist Johannes. Wir müssen diesen Ausdruck mit dem Hinweis ergänzen: „Das Wort ist Fleisch geworden, ja es ist sogar dem Gesetz unterstellt worden“. Mit dem Gesetz ist, wie gesagt, das Gesetz des Alten Bundes gemeint, das Gesetz des Moses. Es ist das Gesetz, welches Moses am Sinai empfangen hat und nach welchem das jüdische Volk zu leben verpflichtet ist. Jesus wird mit der Beschneidung dieser Pflicht unterstellt.
Mit dem Tag der Beschneidung des Herrn verbindet sich seit den frühen Tagen der Kirche die besondere Verehrung Marias, und dies unter dem Titel der Gottesmutter. Denn uns wurde durch die jungfräuliche Geburt nicht nur ein Mensch geschenkt, sondern der Gottmensch. Uns wurde der Mensch geschenkt, der Gott ist. Uns wurde Gott geschenkt, der Mensch geworden ist. Daher nennt die Kirche Maria die Gottesmutter (wörtlich die Gottesgebärerin) und singt heute die wunderbare Antiphon: „O Dornbusch, den Moses schaute! Brennend verbranntes du nicht. In dir erkennen wir ein Gleichnis der seligen Jungfrau, die unversehrt gebar. Gottesmutter, bitte für uns“. Der erste Januar ist der Gedenktag dieser einzigartigen Mutterschaft.
Indem sich Jesus demütig dem jüdischen Gesetz unterstellt – unterstellt wird – , indem er anderseits der Erlöser der Welt ist, der Erlöser des Menschen ganz allgemein, verbindet er das jüdische Volk mit dem nichtjüdischen Volk. So lesen wir im Brief an die Epheser: „Denn er (Jesus) ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile und riss die trennende Wand der Feindschaft in seinem Fleisch nieder“ (Eph 2,14). Mit den beiden Teilen meint der Apostel Juden und Heide, Juden und Nichtjuden. In Christus, durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes, durch sein Wirken und sein erlösendes Leiden, werden alle Menschen in eine einzige Familie zusammengeführt. Jesus hat die Spannung zwischen den zwei Teilen aufgehoben und die Menschheit zu einer einzigen Gemeinschaft verbunden, zur Gemeinschaft der Kirche. Deshalb ist der Tag, da wir die Beschneidung des Herrn feiern und der einzigartigen Mutterschaft Marias gedenken, auch der geeignete Tag, um den Frieden zu erbitten und um den Frieden unter den Menschen zu beten.
Das Jahr 2017 hat für uns, für unser Land, überdies eine besondere Bedeutung. Wir begehen in diesem Jahr den 600. Geburtstag unseres Landespatrons, des heiligen Bruder Klaus. Im Tagesgebet des 25. September, Hochfest zu Ehren des Heiligen, sprechen wir: „Herr, unser Gott … du … hast ihn (den heiligen Bruder Klaus) zu einem Ratgeber für viele und zu einem Mittler des Friedens gemacht. Höre auf seine Fürsprache: Nimm alles von uns, was uns trennt von dir, und mache uns zu einem Werkzeug deines Friedens“. So steht der Friede auch durch dieses Gedenken nicht nur im Mittelpunkt des heutigen Tages, sondern des ganzen Jahres 2017. Es soll ein Jahr des Friedens werden, ein Jahr, da wir uns in jeder Hinsicht um den Frieden bemühen und zum Frieden in der ganzen Welt beizutragen versuchen.
Da der Friede letztendlich eine Gabe Gottes ist, da der Friede nur durch den wahren Glauben, durch den Glauben an den einen und dreifaltigen Gott echte, dauernde Wirklichkeit werden kann, verbindet sich mit unserem Gebet um den Frieden ganz besonders die Bitte um den Glauben, nicht um irgend einen Glauben, sondern um den Glauben, der uns in und durch unseren Herrn Jesus Christus offenbart und geschenkt wurde. Dazu lesen wir im Dokument des Zweiten Vatikanums Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religonen: „Unablässig aber verkündet sie und muss sie verkündigen Christus, der ist ‘der Weg, die Wahrheit und das Leben’ (Joh 14,6), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat“ (2).
Seien wir daher bereit, über unseren Glauben „Rede und Antwort zu stehen“ (1 Petr 3,15) und ihn gewissenhaft weiterzugeben. Amen.

Quelle: http://www.bistum-chur.ch

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