Wie Kolping für den Lebensschutz eintritt

Ein Kommentar von Bundesvorsitzender Thomas Dörflinger im Kolpingmagazin Nr. 1/2017

Das Memorandum zum Schutz des menschlichen Lebens hat öffentliche Aufmerksamkeit geweckt. Dieses war unsere Absicht, denn es ist still geworden um den Schutz des ungeborenen Lebens, zu still. Themen wie die Sterbehilfe wurden gesellschaftlich eher pragmatisch als ethisch diskutiert. Die Bundesversammlung des Kolpingwerkes Deutschland hat sich deswegen für einen nahtlosen Einsatz zum Schutz des menschlichen Lebens vom Beginn bis zu seinem Ende stark gemacht und dazu eine umfassende ethische Orientierung vorgelegt.

Leider wurde der Lebensschutz in Schwangerschaftskonflikten vom Gesetzgeber im Strafgesetzbuch nur mangelhaft verwirklicht. Mehrere Beschlüsse des Bundestages wurden vom Bundesverfassungsgericht als grundgesetzwidrig eingestuft..

Ausdrücklich sei mit Blick auf die gegenwärtige Rechtslage festgestellt, dass es keinen Berechtigungsschein für einen Schwangerschaftsabbruch gibt. Durch die Beratungsbescheinigung erfolgt lediglich eine Bestätigung über eine stattgefundene Beratung, die nach dem deutschen Recht einen straffreien Schwangerschaftsabbruch ermöglicht, aber dennoch rechtswidrig und damit illegal bleibt. Dieses ist eine wichtige Unterscheidung, da die Beratung zum Leben stattfinden muss, auch wenn sie ergebnisoffen ist. Wenn eine Frau sich nach der Beratung trotz der angebotenen Hilfen zum Abbruch entscheidet, bleibt sie straffrei. Diese Rechtskonstruktion wurde durch den Gesetzgeber aufgrund der Erfahrung geschaffen, dass das Leben des Kindes nur mit der Frau und nicht gegen die Frau geschützt werden kann.

Nun gab es Fragen, warum wir denn in der Frage der Schwangerenkonfliktberatung nicht deutlichere Forderungen an die Politik gestellt hätten. Die Antwort ist recht schlicht und vermutlich gleichwohl nicht völlig befriedigend: Da die Mehrheiten für eine Änderung des geltenden Rechts mit Sicherheit nicht vorhanden sind, hätten wir mit Forderungen an die Politik womöglich eine Debatte ausgelöst, an deren Ende ein noch schlechterer Schutz des ungeborenen Lebens gestanden hätte. Daran kann niemand ein Interesse haben. Wenn also eine gesetzliche Verbesserung des Lebensschutzes gegenwärtig nicht möglich ist, sollte wenigstens die Beratung und Begleitung der Frauen – im Sinne des Gesetzgebers positiv auf das Leben des Kindes hin – erfolgen.

In unserem Memorandum haben wir die Rückkehr der kirchlichen Beratungsstellen in die Konfliktberatung nach § 219 StGB empfohlen. Daran gab es vereinzelt Kritik. Aber: Bereits 1999, als der Ausstieg erfolgte, haben wir als Kolpingwerk Deutschland betont, dass es wichtig ist, die Schwangerenkonfliktberatung aus christlicher Verantwortung fortzusetzen. Damals wurde von engagierten Christen „Donum vitae“ gegründet. Dieses Engagement galt es einerseits zu würdigen und andrerseits auf das schwindende Unrechtsbewusstsein in der Gesellschaft und die zunehmende Beteiligung von Trägern in der Schwangerenkonfliktberatung, die sich nicht primär zum Lebensschutz bekennen, hinzuweisen.

Auch zukünftig werden wir immer wieder unsere Stimme erheben und nicht  tatenlos zusehen, wie sich eine gesellschaftliche Debatte zu Lasten des Lebensschutzes entwickelt; wir wollen sie in die entgegen gesetzte Richtung prägen.

Alle Mitglieder im Kolpingwerk sind daher aufgerufen, sich weiterhin für den Lebensschutz und die Unterstützung von Frauen in Konfliktsituationen einzusetzen. Für den bisherigen Einsatz, wo immer er stattfand, gilt allen Beteiligten unser herzliches Vergelt’s Gott!

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