Raiffeisen ordnet sich neu: Wien bleibt Wien und wird nicht Linz

Von Dr. Uli Spreitzer


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Nach einigen Jahren der Diskussion und medialen Begleitung kommt die Neuordnung der Raiffeisen zum Abschluss. Personalien sind bei Raiffeisen oft mit einer Botschaft verbunden. Oberösterreich nimmt doch nicht Wien ein. Die bisherige regionale Machtverteilung bleibt erhalten. Familiendynastien und „Stallgeruch“ sind doch nachrangig gegenüber finanziellen oder professionellen Gründen. Letztendlich hat sich ein sachkundiger und professioneller Ansatz durchgesetzt.

Die Struktur des Raiffeisenkonzerns

Die Raiffeisen in Österreich ist wie in Deutschland die Bank der Landwirte und Kirchen. Sie ist wirtschaftlicher Dachkonzern der schwarzen „Reichshälfte“ und besitzt in der Landwirtschaft und den Nahrungsgrundprodukten große, fast schon monopolartige Marktanteile selbst auf Ebene der EU in Konzernen wie z.B. Agrana, Südzucker oder BayWa.

Die Form von Genossenschaften lenkt etwas ab, dass dies ein riesiger Konzern ist. Der Aufbau ist dreiteilig mit örtlichen Genossenschaften, darüber die Landesbanken und darüber die Zentralbank. Formal ist die Struktur von unten nach oben. Nicht nur linke Kritiker behaupten, dass es tatsächlich umgekehrt sei.

Die regionale Machtverteilung ähnelt der der Bevölkerung und der Wirtschaft Österreichs. Trotz Großstädten wie Linz (Oberösterreich), Graz (Steiermark) oder Salzburg ist sie sehr stark konzentriert auf Wien und Niederösterreich. Hier ähnelt Österreich Ländern wie Frankreich oder England mit der Konzentration auf die Hauptstadt.

Die Raiffeisen International (RBI)

Ein neues Strukturelement gibt es mit der Raiffeisen International (RBI). Diese wurde 1999 gegründet. Sie ist börsennotiert. Ein Großteil der Aktien ist im Besitz der Raiffeisen Landesbanken. Der Streubesitz der Aktien ist deutlich unter 50%. Die RBI war in Osteuropa und Russland lange Jahre sehr erfolgreich tätig. Die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte Österreichs in den „Nullerjahren“ ist auch einer der RBI.

In der Welt der Raiffeisen fremdelte die RBI gleichwohl. Der CEO der RBI Stepic, ein in der Branche erstklassiger Banker, stürzte über Vorwürfe im Umfeld von Kunst: Diese erwiesen sich später als nichtig. Gleichwohl war der neben Christian Konrad eine der Protagonisten der Raiffeisen. Wie der RBI fehlte ihm der Stallgeruch nach den „Gummistiefeln“ der Landwirte. Auch trat er für die Raiffeisen ungewöhnlich verbindlich auf.

Die Landesbank Oberösterreich (RBOÖ) baut ein paralleles Raiffeisenimperium auf

Nach dem Unfalltod des Vorstandvorsitzenden Schaller übernahm Josef Scharinger den Posten des Vorstandsvorsitzenden. Die Bank entwickelte sich unter ihm äußerst erfolgreich aber auch eigen. Unter ihm baute die Landesbank viele Einrichtungen parallel zu denen des Raiffeisenkonzerns auf. Die eigene Kapitalanlagegesellschaft Kepler wurde ähnlich groß wie Raiffeisen Capital Management (RCM) des gesamten Konzerns. Auch im Investmentbanking war die RBOÖ sehr aktiv. Die RBOÖ und Pühringer mit der Landesregierung „retteten“ die VÖST AG in einer der Stahlkrisen. Das Portfolio der Beteiligungen der RBOÖ war zuletzt ähnlich dem einer großen und typischen Investmentbank

Heinrich Schaller und die RBOÖ gliedert sich wieder in den Raiffeisenkonzern ein

Der Nachfolger von Josef Scharinger wurde Heinrich Schaller, ein Sohn des vormaligen Vorstandsvorsitzenden. Nach beruflichen Stationen u.a. bei der Börse in Wien, kam er in 2011 zur Nachfolge von Scharinger nach Linz zurück.

Sein Lebenslauf ist trotz des Unfalltods von Familienmitgliedern und den damit entstehenden Verwerfungen der eines „typischen“ führenden Funktionärs der Raiffeisen. Aufgewachsen in einem konservativ katholischen Umfeld, Besuch des Aloysianums in Linz, Mitglied einer katholischen Studentenverbindung und Jus-Studium. Die erste berufliche Station war die Raiffeisen. Weitere u.a. die Börse in Wien, bei der er Vorstand war.

Die Raiffeisen benötigt Kapital

Ende 2014 wechselte die Aufsicht über europäische Großbanken von der einheimischen Aufsicht, in diesem Fall der FMA in Wien, zur EZB in Frankfurt. Zuvor wurden noch Tests der Kapitalausstattung der Banken durchgeführt. Diesen bestand die RBI und die Raiffeisenzentralbank ohne Probleme. Mehr noch, die FMA erlaubte genau zur Hauptversammlung der RBI die Rückzahlung von staatlichem Ergänzungskapital. Letzteres hatte die RBI in 2008 benötigt in Folge der Finanzkrise. Es konnte zwar als Eigenkapital angerechnet werden, war aber relativ hoch zu verzinsen, wenn das Ergebnis der Bank positiv war. Mit dieser Erlaubnis der FMA konnte die RBI in 2014 eine großzügige Dividende in Höhe von 1 EUR pro Aktie (4-5% Dividendenrendite) ausschütten.

Ende 2014 ging die Aufsicht über die Europäischen Großbanken von der nationalen Behörde auf die Europäisches Zentralbank EZB über. Die EZB führte erneut einen Stresstest hinsichtlich des Eigenkapital der Banken durch. Das Ergebnis für die RZB und die RBI war weit schlechter, als im letzten Test durch die FMA. Die RBI und die RZB benötigten Kapital.

Fusion zwischen RZB und RBI wird erwogen

Um das Eigenkapital zu erhöhen veräußerte man Beteiligungen wie die UNIQA und gab Geschäftszweige in Osteuropa auf. Beibehalten wurde das Russlandgeschäft.

Das Eigenkapital kann wegen Regelungen zur Anrechnung von Beteiligungen durch strukturelle Änderungen hier der Verschmelzung geändert werden. Die lange Zeit in Abrede gestellte Fusion von RZB und RBI wurde eingeleitet. Die Fusion erlaubte den Wert dieser Beteiligung höher anzusetzen, so dass die Eigenkapitalquote alleine dadurch um ca.1% stieg.

Heinrich Schaller wird nicht Vorstandsvorsitzender

Zeitnah mit Berichten zur Fusion, war die Frage wer ´Vorstandsvorsitzender wird. Der bisherige CEO der RBI war aus Altersgründen und weil er zu wenig Hausmacht hatte außen vor. Favorit war sehr bald Heinrich Schaller. Ein Grund war, dass die RB OÖ in der Raiffeisen mächtiger und bedeutender geworden war und den Platzhirsch die RB Niederösterreich herausfordern konnte.

Berichte über seine Bestellung am Tag des Fusionsbeschlusses waren schon veröffentlicht, da fehlte er überraschen bei dem Termin. Sein Fehlen wurde mit einem Geschäftstermin der VÖST in den USA begründet., den er aber wie bald bekannt wurde, gar nicht antrat. Er sagte dann auch der Bestellung ab.

Johann Strobl ehemals Bank Austria wird Vorsitzender

Vorstandsvorsitzender wurde Johann Strobl. Er gilt als Risikoexperte und war lange Jahre bei der Bank Austria tätig, also der „roten“ Bank Österreichs. Auch wenn die Strukturen jetzt anders sind, kann man ihn als Nachfolger des Generalanwalts der Raiffeisen Christian Konrad ansehen. Dass er dies mit einer teilweise roten Biographie bei der „schwarzen“ Raiffeisen erreichte, zeigt die Professionalität letzterer.

Disclaimer: Der Autor/bzw. seine Ehefrau dieses Artikel hält Aktien der RBI

 

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