Berlin, Breitscheidplatz: Unbegreiflich

Unbegreiflich ist, wie sehr die Rede Merkels zum Anschlag von Berlin im Kontrast zu jener von Helmut Schmidt im Angesicht des RAF-Terrors steht.

Unbegreiflich ist, dass ein Regierungsoberhaupt bei einer nationalen Tragödie im selben Ton und Duktus wie immer – das heißt: einer unverständlichen und verklausulierten Sprache – bleibt, und vom Papier abliest.

Unbegreiflich auch: wie ein Kanzler der Bundesrepublik Deutschland beim schlimmsten Terroranschlag in der jüngeren deutschen Geschichte davon spricht, „traurig“ zu sein. Ganz abgesehen davon, dass emotionale Sprache Populisten immer vorgehalten wird („sad“), sollte man sich nur eine Sekunde vorstellen, Helmut Schmidt hätte dergleichen dazumal geäußert (stattdessen: Zorn, Brutalität, Wahn!).

Unbegreiflich, ad quarto: statt dass der Staat mit aller notwendigen Härte antwortet, erscheint das Geschehen als schicksalsträchtige Naturgewalt, über die niemand verfügen kann, weswegen Politik keine Rolle spielt.

Unbegreiflich, dass Göring-Eckhardt anderen vorschreibt, was man zu denken und zu fühlen hat.

Unbegreiflich: Journalisten und Politiker, welche die Instrumentalisierung von „rechts“ beschreien, obwohl sie in Ermangelung irgendeines Mitleids das Ereignis selbst für ihre Agenda negativ instrumentalisieren, indem sie Hintergründe aussparen oder verdrängen wollen.

Unbegreiflich ist ebenfalls, dass es wohl ein Gedankenverbrechen geworden ist, Hintergründe aufzuklären, und Konsequenzen aus diesen zu schließen.

Unbegreiflich, dass man immer wieder davon faselt, Terror wolle Angst machen, die sei die Priorität der Terroristen, weswegen man weiterleben solle wie bisher; dabei ist das primäre Ziel von Terroristen nicht die Verbreitung von Angst und Schrecken, sondern die Tötung von möglichst vielen Menschen.

Unbegreiflich, wie mit der Floskel der niemals hundertprozentigen Sicherheit gespielt wird, obwohl bereits das zu RAF-Zeiten kein Grund war, dass der Staat alle zur Verfügung stehenden Mittel zur Strafverfolgung und Tatvermeidung einsetzte.

Unbegreiflich, dass so eine Person mit elf Minuten Beifall und 90%-Ergebnis zur Spitzenkandidatin ihrer Partei gekürt wurde. Noch unbegreiflicher, dass diese Frau im September wieder gewählt wird.

Unbegreiflich, wie Fatalismus zur Staatsraison erhoben wird, unter dem Deckmantel von „Rationalität“, „mürrischer Indifferenz“ oder „neuer Alltäglichkeit“.

All dies ist unbegreiflich; unbegreiflich dagegen ist es nicht, wie dies geschehen konnte. Nizza war das Menetekel und seit Wochen hörte man von einer erhöhten Anschlagsgefahr auf deutsche Weihnachtsmärkte. Unbegreiflich ist eher, wie man ein Volk mit Emotionen vollzuseifen versucht, gerade vonseiten jener, die alles als postfaktisch bezeichnen, was ihnen nicht passt.

Um unbegreifliche Rhetorik begreiflicher zu machen; einmal die Rede Schmidts und einmal die Merkels im Vergleich; beide viereinhalb Minuten lang und doch komplett anders.

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4 Gedanken zu “Berlin, Breitscheidplatz: Unbegreiflich

  1. Kaum ein Wort der Anteilnahme gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen. Stattdessen wird hier gleich wieder versucht, Stimmung gegen die Regierung zu machen. S o helft Ihr fleißig mit, dass der islamistische Terror seine Ziele teilweise erreicht, nämlich unsere Gesellschaft zu spalten und zu destabilisieren. Erst die Fakten und Hintergründe abwarten, und dann Schlüsse ziehen bitte !

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    • Lesen Sie erst einmal den Text – denn Sie gehen mit „kaum einem Wort“ darauf ein. Ihre Schemaparolen passen schon deswegen nicht, weil ich den Islam nirgends erwähne. Dass wir zwei Kanzler haben, die auf Terror völlig anders reagieren, und Schmidt es besser konnte, ist wohl selbst für Sie auffällig. Schämen Sie sich lieber, vom Andenken der Toten zu sprechen, aber sofort den Fall zu instrumentalisieren, um Ihre eigene Ideologie zu befriedigen.

      Wie man es macht, zeigt Schmidt. Hat der deswegen die Gesellschaft gespalten, weil er die Sache beim Namen nannte?

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    • Wäre e offensichtlich das es Tatsächlich so stattgefunden hat dann würde mancher vielleicht anders darüber denken aber haben sie sich den Unfallort sowie das Fahrzeug mal näher angeschaut sowie auch die Videos von Privatdetektiven die den Ort genauer betrachtet haben?Sollen sie falls noch nicht tun denn inzwischen gibt es einige Interessante Videos die nämlich zeigen was da gespielt wird nämlich die Demokratie einschränken und wer das nicht merkt ist leider etwas sehr leichtgläubig denn wie man hier ebenso liest ist Merkel alles andere als Demokratin denn wer ist bei der AfD Rechts gesonnen außer Höcke? Das aber genau das was unsere Regierung nachweislich tut mitsamt den Medien Faschismus ist erkenn nur die wo wissen was das genau überhaupt ist und das habe ich Herrn Seibert auch schon persönlich gesteckt 🙂

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