„Gewaltlosigkeit – Stil einer Politik für den Frieden“

Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht Arbeitshilfe zum 50. Welttag des Friedens am 1. Januar 2017

Seit 50 Jahren feiert die katholische Kirche jeweils zu Jahresbeginn den „Welttag des Friedens“. Papst Franziskus hat den Weltfriedenstag am 1. Januar 2017 unter das Thema „Gewaltfreiheit: Stil einer Politik für den Frieden“ gestellt. Die Deutsche Bischofskonferenz gibt dazu eine Arbeitshilfe mit dem Titel: „Gewaltlosigkeit – Stil einer Politik für den Frieden“ heraus, in der das von Papst Franziskus gewählte Thema aus verschiedenen Perspektiven aufgegriffen wird.

„Die christliche Botschaft ist von allem Anfang an gewaltkritisch gewesen, auch wenn kirchliche Verkündigung und Praxis diesen Impuls Jesu nicht zu allen Zeiten genügend wirksam gemacht haben mögen“, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in seinem Geleitwort. Gewalt, selbst wenn sie von ihren Zielen her gerechtfertigt sei bzw. als „ultima ratio“ möglicherweise unumgänglich erscheine, stelle stets ein Übel dar. „Denn über Zerstörung und Tod hinaus prägt sie die Einzelnen wie die Völker auf lange Frist“, so Kardinal Marx. „Und gerade so gebiert Gewalt immer neue Gewalt. Diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist das Ziel und das Programm einer Politik der Gewaltfreiheit.“

Mehrere Beispiele für Gewaltlosigkeit als politische Praxis werden in der Arbeitshilfe vorgestellt. So beschreibt der Generalsekretär der Gemeinschaft Sant‘Egidio mit Sitz in Rom, Dr. Cesare Zucconi, wie seine Gemeinschaft in verschiedenen Krisen- und Kriegsgebieten über viele Jahre hinweg „mit Geduld und Diskretion Beziehungen zu verschiedenen Akteuren des öffentlichen Lebens“ aufgebaut hat. So hatte Sant‘Egidio nach Einschätzung vieler Experten zum Beispiel in Mosambik einen wesentlichen Anteil am Zustandekommen des Friedensvertrages, durch den ein 15-jähriger Bürgerkrieg beendet werden konnte. Winfried Nachtwei, langjähriges Mitglied des Deutschen Bundestages und Experte für Friedens- und Sicherheitspolitik, beschreibt zivile Konfliktbearbeitung als einen elementaren Baustein deutscher Friedenspolitik. Die Wirkung eines solchen Bausteins im Kontext christlicher Entwicklungszusammenarbeit wird von Sandra Koch, die derzeit als Fachkraft im „Zivilen Friedensdienst“ in Sierra Leone aktiv ist, mit einem Bericht aus der Praxis veranschaulicht.

In einem kirchen- und zeitgeschichtlichen Rückblick auf die vergangenen 50 Jahre zeichnet Prof. Dr. Ulrich Ruh Grundlinien und Entwicklungen des kirchlichen Friedensdenkens seit der Einführung des Welttags des Friedens durch Papst Paul VI. nach. Er stellt dabei auch die Bedeutung der großen Friedensschriften der deutschen und US-amerikanischen Bischöfe aus den Jahren 1983 und 2000 für die internationale Debatte heraus. Der Sozialethiker Prof. Dr. Thomas Hoppe erläutert die Bedeutung von Instrumenten der Gewaltlosigkeit für die Überwindung struktureller Gewalt. Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax, beschreibt das Verhältnis zwischen Gewaltprävention und Achtung der Menschenrechte. Er macht deutlich, wie sehr es „in unserem Interesse liegt, die Kraft des Rechts, die Orientierung an Menschenrechten und Menschenwürde als große Leistung anzuerkennen, die nicht zuletzt Voraussetzung dafür ist, Konflikte ohne die Anwendung von Gewalt zu lösen“.

Ausgehend von der alttestamentlichen Erzählung von Kain und Abel erläutert Prof. Dr. Ilse Müllner in einem bibeltheologischen Beitrag Gewaltunterbrechung als biblischen Weg zum Frieden. Texte aus Beirut und Jerusalem regen zum Nachdenken über eine auch spirituelle Solidarität zwischen Menschen verschiedener Religionszugehörigkeiten an. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Prof. DDr. Thomas Sternberg, reflektiert in seinem Beitrag den Umgang mit Proteststimmungen in der deutschen Politik.

Daneben bietet die Arbeitshilfe auch Inspirationen für Gottesdienste und Gebetsstunden. Die Bischöfe möchten die Gläubigen in den Kirchengemeinden und katholischen Verbänden ermutigen, am 1. Januar oder an einem anderen Tag in den ersten Wochen des neuen Jahres auch mit anderen Menschen guten Willens zusammenzukommen, um für das Geschenk des Friedens zu beten. „Es gibt auf der Welt eine große Sehnsucht nach Frieden“, die uns „mit zahllosen Menschen auf diesem Planeten“ verbindet, so Kardinal Marx. „Machen wir diese Sehnsucht nach Frieden fruchtbar!“

 

Hinweise:

Die Arbeitshilfe Nr. 291 „Gewaltlosigkeit – Stil einer Politik für den Frieden“ kann in der Rubrik„Veröffentlichungen“ bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Die Botschaft von Papst Franziskus zum Weltfriedenstag 2017 ist als pdf-Datei im Anhang sowie unterPapstbotschaften verfügbar.

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