Diözese Rottenburg-Stuttgart fördert interreligiösen Dialog in Afrika

Pactum Africanum – Die Religionen können und sollen für Frieden und Entwicklung in Afrika einen wichtigen Beitrag leisten

Afrika muss befriedet werden und die Menschen des Kontinents müssen eine soziale Perspektive erhalten; dies ist nach Meinung der Europäischen Union und der Bundesregierung eine der größten Herausforderungen bei der Bekämpfung von Fluchtursachen. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart möchte dazu einen Beitrag leisten, indem sie den interreligiösen Dialog in Afrika fördert. Bei einer Tagung der Akademie der Diözese im Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim suchen Experten für Entwicklungszusammenarbeit und Theologen von Freitag, 9. bis Sonntag, 11. Dezember nach Wegen, mit denen der interreligiöse Dialog und das Zusammenleben der Kulturen vor Ort konkret gefördert werden können.

Religiöse und ethnische Konflikte führen in vielen Ländern Afrikas zu Bürgerkriegen, militärischen Konflikten über Grenzen hinweg und daraus folgend zu sozialer Not und Massenflucht. Dem begegnet „Pactum Africanum“ mit der Absicht, „friedliches Zusammenleben in Afrika im Geiste Abrahams“ zu fördern. Dazu hat der aus Äthiopien stammende Prinz Asfa-Wossen Asserate den gleichnamigen Verein gegründet. Ziel ist, mit Häusern des religiösen Dialogs in verschiedenen afrikanischen Ländern niederschwellige Hilfs- und Gesprächsangebote über die Religionsgrenzen hinweg zu ermöglichen und so zur Verständigung zwischen den unterschiedlichen Glaubensrichtungen beizutragen. Jugendliche sollen die Gelegenheit bekommen, sich durch Vorträge, Filme und eine internetgestützte Bibliothek zu informieren. Sie sollen dort eine gute WIFI-Verbindung und die Möglichkeit erhalten, ihr Handy aufzuladen.

Asserate ist ein Großneffe des 1974 gestürzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie; er kam als Flüchtling in den 70er Jahren nach Deutschland und hat sich hier als Publizist in die Bestseller-Listen geschrieben. Gerade erst ist sein Buch „Die neue Völkerwanderung. Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten“ veröffentlicht worden. In seinem Heimatland spiegeln sich die Probleme des afrikanischen Kontinents wie im Brennglas. Gewalttätige Umstürze, Militärjuntas, die Abspaltung von Eritrea in den 90er Jahren, autoritäre Regierungsformen trotz nominell demokratischer Verfassung – das Land ist von „good governance“ weit entfernt. Hinzu kommt die Bevölkerungsexplosion: Lebten zu Beginn des 20. Jahrhunderts rund elf Millionen Menschen in dem Land, so sind es heute bereits deutlich mehr als 80 Millionen; für 2040 wird mit 136 bis 160 Millionen Einwohnern gerechnet. In dem Vielvölkerstaat sind knapp zwei Drittel Christen und gut ein Drittel Muslime.

Unter den Bedingungen der rasant wachsenden Bevölkerung den Menschen Bildung, zunehmenden Wohlstand, stabilen Frieden und Rechtsstaatlichkeit zu ermöglichen, macht deutlich, wie groß die Herausforderung für den Kontinent Afrika ist. Die Idee von „Pactum Africanum“ klingt angesichts dessen bescheiden. „Wer hier einem Gläubigen vorschlägt, um des lieben Friedens willen seinen Wahrheitsanspruch fahren zu lassen, wird nur Kopfschütteln ernten“, sagt Asserate. „Doch alle, ob Muslim, Christ oder Jude, können feierlich geloben, auf jede Art von Gewalt zu verzichten.“ Ein Blick in den Koran oder die Bibel könne dabei helfen. So könne eine Gemeinschaft entstehen, „ein Bündnis der Gewaltlosen“, wie Asserate es nennt, „in dem Vertreter der Religionen vorausgehen“.

Asserate, der im Rottenburger Bischof Gebhard Fürst einen Verbündeten gefunden hat, will unter den genannten Vorzeichen den Kontakt zwischen Moscheen, Kirchen und Synagogen organisieren. Es sollen Häuser der Begegnung und andere mediale Plattformen entstehen. Wichtig sei, „dass durch Information und Bildung mit Gräuelmärchen über die jeweils andere Religion aufgeräumt und der gesellige Austausch gefördert wird“, beschreibt Asserate das Vorhaben. Dafür werden noch Kooperationspartner in der Entwicklungszusammenarbeit gesucht; wobei wirtschaftliche Effizienz ebenso erwünscht ist wie der Blick auf die Kulturen, auf denen die Identität der Menschen beruht. Asserate und Bischof Fürst sind überzeugt davon, dass die Religionen ein Motor der Gewaltfreiheit sein können und ihnen somit eine entscheidende positive Rolle erwachsen kann.

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